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25.11.2016, 13:34 Uhr

Was bedeutet die Einschleppung fremder Tier- und Pflanzenarten für unser Ökosystem?

(Peitz) Dr. Schulze referierte dazu in Drachhausen im Rahmen der Naturschutztagung vom Landkreis Spree-Neiße. Einführend erläuterte er die Folgen der Auswilderung von 24 Kaninchen auf dem australischen Kontinent 1859.

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Bereits 1920 wurde eine Population von ca. 10 Mrd. Kaninchen nachgewiesen. Einheimische Tierarten, zumeist Beuteltiere, wurden systematisch verdrängt, sodass Australien heute einen allein durch die Kaninchenplage jährlich einen Schaden von 143 Mio. Euro im landwirtschaftlichen Bereich ausweisen kann.

Doch auch in der EU entstehen jährlich Schäden zwischen 9,6 – 12, 7 Mrd. Euro durch invasive Arten. Hierzu zählen neben Fremdpflanzen wie Ambrosia und Robinie auch weitaus mehr Tierarten, wie die Nutrias und Waschbären. Hierzu sollte es lt. Schulze vermehrt finanzielle Jagdanreize geben. Die 500 Tausend in Deutschland befindlichen Waschbären sorgen zunehmend für ein Aussterben der heimischen Sumpfschildkröte, wie auch von heimischen Bodenbrütern wie der Feldlerche durch den Fraß von deren unausgebrüteten Nachkommen.
Nicht nur ausgesetzte Tiere aus Pelz- oder Fleischfarmen bedrohen die Ökosysteme. Auch der internationale Warenverkehr mit Containerschiffen, gepaart mit dem Temperaturanstieg in den Weltmeeren sorgt für eine Ausbreitung von regional untypischen Algen-, Muschel- und Krebsarten. Hiervon sind alle europäischen und nordamerikanischen Meeresgewässer besonders stark betroffen.

Die circa 150 Teilnehmer der Naturschutztagung hörten dem Vortrag aufmerksam zu. Allen Gästen ist die Gefahr für die heimischen Lebensräume durch invasive Arten bewusst und dass hier auch aktiv gehandelt werden muss. Es kam auch das aktuelle Wolfsproblem zur Sprache. Als Berichterstatter für den Natur- und Artenschutz im Bundestag und dadurch auch Ansprechpartner für den Wolf, gab Dr. Schulze bei aller nachvollziehbarer Bedrohung für die Schaf- und Ziegenhalter zu Bedenken: „Der Wolf ist in der Lausitz kein Fremder, sondern ein Rückkehrer. Die aktuelle Entwicklung muss man beobachten und darauf reagieren. Zu diesem Thema gab zwei Anhörungen im Umwelt- und Landwirtschaftsausschuss. Ein daraufhin gestellter Antrag wird vom Koalitionspartner derzeit nicht mitgetragen.“

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