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02.02.2017, 12:11 Uhr

Wasser predigen, Champagner trinken

Am vergangenen Sonntag hat SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz Gerechtigkeit zum Kernthema der Sozialdemokraten im kommenden Bundestagswahlkampf ausgerufen. Nur 24 Stunden später wird bekannt, dass Christine Hohmann-Dennhardt, ehemalige hessische SPD-Justizministerin, für ihre nur 13 Monate andauernde Tätigkeit bei VW eine Abfindung von mehr als 12 Millionen Euro erhalten soll.

Dr. Klaus-Peter Schulze MdB
Doch nicht nur der Sozialdemokratin kann fehlendes Fingerspitzengefühl vorgeworfen werden. Pikant ist zudem, dass Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) dieser Regelung im Präsidialausschuss des VW-Aufsichtsrats zugestimmt hat.
 
Während sich ihr Kanzlerkandidat in Berlin zum Kämpfer für mehr Gerechtigkeit und gegen exorbitante Managergehälter und Boni aufschwingt, kungeln Sozialdemokraten in Niedersachsen eben diese skurrilen Arbeitsverträge hinter verschlossenen Türen aus.
 
Die Millionenabfindung für Hohmann-Dennhardt fällt zudem in eine Zeit, in der die von VW gezahlten Gewerbesteuern rückläufig sind. An den VW-Standorten müssen in der Folge die Einwohner tiefer in die Tasche greifen. So werden in Wolfsburg unter anderem die Kinderbetreuung, das Parken in der Innenstadt sowie der Freibadbesuch teurer.
 
Im Zuge der Abgasaffäre hatte Volkswagen im November 2016 ein Reformpaket vorgestellt, dass den Abbau von weltweit 30.000 Stellen vorsieht. Bei der Reformierung unverhältnismäßiger Managergehälter ist der Konzern offensichtlich weniger rigoros.