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26.01.2020, 17:04 Uhr | Elias Gäbler

Ein Austauschjahr in den Vereinigten Staaten

Das Parlamentarische Patenschafts-Programm gibt jungen Menschen die Möglichkeit als Junior-Botschafter/in ein Jahr in den USA zu verbringen. Dr. Schulze ermögliche dies zuletzt dem Schüler Elias Gäbler dessen eindrucksvollen Bericht Sie hier lesen können.

Des Moines (Iowa) - Als ich aus dem Flugzeug stieg, wurde mir zum ersten Mal bewusst, worauf ich mich eingelassen hatte. Ich war nun in einem anderen Land und sah sofort gesellschaftliche und kulturelle Unterschiede - Fast-Food Restaurants am Flughafen, SUV’s und Pickup-Trucks auf den Parkplätzen. Neugier, Angst und Vorfreude begleiteten mich auf dem Weg zu meiner Gastfamilie. Auf der Busfahrt von Chicago nach Des Moines traf ich schon meine zukünftigen Freunde von Afs. Austauschschüler aus allen Kontinenten sollten mir das Leben einfacher machen, weil wir uns gegenseitig austauschen und von Erfahrungen berichten konnten. Als ich meine Gastfamilie sah, wurde mir bewußt, dass ich am richtigen Ort mit der richtigen Familie war. Ich hatte fünf Gastgeschwister und liebevolle Gasteltern. Mit meinen gleichaltrigen Gastbruder verstand ich mich von Anfang an gut und teilte mit ihm ein Zimmer.

Am zweiten Tag in der Gastfamilie fuhren wir nach Denver Colorado und machten dort Familienurlaub. Beim Familientreffen traf ich auch die Eltern meines ehemaligen Gastbruders, den wir vor zwei Jahren in unsere Familie aufgenommen hatten. Ich war von Anfang an in die Familie integriert und wurde als neues Familienmitglied aufgenommen- und nicht als Urlaubsgast. Schon von Anfang an verstand ich viel Englisch aber traute mich nicht sehr viel zu reden, weil ich Angst hatte etwas Falsches zu sagen. Zwei Wochen nach meiner Ankunft in den USA begann die Schule, was mir helfen sollte meine Angst zu überwinden. Ich ging auf die Waukee High School als Junior (in die 11 Klasse). Jeden Morgen bevor die Schule begann, ging ich zum Religionsunterricht meiner Kirche, der Kirche Jesu Christi der Heiligen der letzten Tage. Dort traf ich viele neue Freunde, die mit mir in den gleichen Jahrgang der Schule gingen. Sie nahmen mich sofort auf und halfen mir gut zurechtzukommen. Ich wollte unbedingt eine AG nach der Schule machen, aber fand im Sommer keine Sportart die mir gefiel, deshalb schrieb ich mich in den International Club ein. Der Club beinhaltete Vorbereitung von Veranstaltungen für Flüchtlinge aus allen Ländern der Welt und Schüler, die die englische Sprache erlernen wollten. Es hat mir viel Freude bereitet und ich lernte viel über Kulturen, Essen und Menschen kennen. Auf der einen Seite wählte ich viele Fächer, die mir Spaß machten und auf der anderen Seite Fächer die mich förderten, wie zum Beispiel: Culinary Arts (Kochen), Metalworking (Metallbearbeitung), AP-Physics (Leistungskurs Physik) und Digital Electronics (Digitale Elektronik). Die beiden letzten Fächer waren sehr anspruchsvoll. Das Jahr war in zwei Semester und vier Halbsemester geteilt. Ich hatte jedes Halbsemester neue Klassen. Jede Klasse habe ich mit einem “Sehr gut” abgeschlossen und erreichte damit einen GPA von 4,05 - das entspricht einem 1,0 Durchschnitt. Ich hatte soviel Spaß in der Schule alles neu kennenzulernen und wurde von jedem Lehrer und Schüler herzlich aufgenommen.
In meiner Familie hatte ich sehr viel Freude bei den Familienaktivitäten z.B. gemeinsam Kochen und Sport machen. Hier an dieser Stelle muss ich sagen, dass das Vorurteil von nur Fastfood (Pizza, Burger, mexikanisches Essen) nicht auf meine Familie zutrifft. Wir aßen sehr gesund und immer frisch und hausgemacht. Meine Lieblingsessen war Hawaiian Haystack (ein Reisgericht mit Ananas, Hähnchenfleisch und Kokosnuss). Nach 2 - 3 Monaten viel mir das sprechen leichter und ich musste nur noch wenig nachdenken. Weihnachten in der USA war auf der einen Seite, eine sehr aufregende Zeit, da ich die amerikanischen Weihnachtstraditionen kennenlernte, aber auf der anderen Seite, vermisste ich meine Familie zu Hause. Dennoch genoss ich die Zeit, da ich mir bewusst machte, dass dies meine neue Familie war. Ab dem 3. Halbsemester spielte ich dann Basketball. Zum ersten Mal habe ich Highschool Sportarten spielen können. Der Winter war sehr kalt und wir hatten viel Schnee. Es gab Tage im Februar, die waren so kalt, dass wir Schulfrei hatten und wir zu Hause bleiben mussten. Es war der längste Winter meines Lebens, aber auch der schönste.
In dieser Zeit hatten wir viele Afs-Programmveranstaltungen, wie z. B. eine Neujahrsfeier, Spieleabende und auch Gesprächsrunden. Es gab eine Aktivität, bei der wir einen kleinen Rummel vorbereiteten und das verdiente Geld einem amerikanischen Schüler gaben, der vor hatte ein Austauschjahr zu machen.
Als es dann wieder wärmer wurde, fing ich an Fußball und Ultimate-Frisbee in meine Schule zu spielen. Der Zusammenhalt meiner Teams haben mich sehr beeindruckt und auch wie viele Eltern ihre Kinder angefeuert haben. Ich liebe den “School Spirit”.
Ich konnte mit vielen Schülern über mein Austauschjahr reden, weil ich in der ganzen Schule bekannt war und mich alle kennenlernen wollten. ( Waukee High School hat 2200 Schüler) In den Frühlingsferien fuhr meine Gastfamilie und ich nach Salt Lake City, dort lernte ich noch mehr Familie kennen und konnte auch die Stadt besichtigen.
Dann begann auch schon wieder die Zeit, dass man nachdachte bald nach Hause gehen zu müssen.
Viele gaben mir Komplimente, dass mein Englisch so gut geworden ist und es so gut wie perfekt sei. Sie sagten, dass sie mich vermissen werden, wenn ich wieder zurück in Deutschland sein werde. Nachdem ich die 11. Klasse absolviert hatte, begann die schönsten drei Wochen meines Austauschjahres und auch die letzten in den USA: Ich besuchte mit meinem Gastbruder den Yellowstone Nationalpark, Nauvoo in Illinoi und ging eine Woche Zelten.
In den letzten Tagen nahm ich Abschied von meiner Gastfamilie. Es viel mir sehr schwer einzugestehen, das ich wieder in einer anderen Kultur leben musste, aber freute mich auf Deutschland.

Zum Schluss möchte ich berichten, was ich für Erfahrungen und Erlebnisse bezüglich meiner Botschafterrolle hatte. Ich habe natürlich versucht, jede Frage die mir gestellt wurde, so gut wie möglich zu beantworten. Auch wenn sich jemand über meine Sprache oder Kultur lustig gemacht hat, konnte ich beweisen, dass man alles aus einem anderen Blickwinkel sehen muss und das Tradition und Sprache einzigartig sind. Zum Beispiel berichtete ich in meiner Geschichtsklasse über die aktuelle politische Lage in Deutschland, beantwortete Fragen über den Nationalsozialismus und zeigte, dass die deutsche Sprache dem Englischen ähnelt und nur einfach härter ausgesprochen wird.
Als ich meiner Gastfamilie “Good Bye” sagte, erklärten sie mir, was ich doch für ein vorbildlicher und einzigartiger “son” bzw. “brother” war und dass sie mich vermissen werden. Ich habe persönlich gelernt, das man keine Vorurteile gegenüber Sprachen, Kulturen und Staatsangehörigkeit haben sollte. Man muss erst verstehen, was andere durchmachen und aufopfern, um sich ein Urteil zu bilden. Es gäbe nichts besseres, als ein Leben ohne Vorurteile.

Ich bedanke mich bei allen, die es mir möglich gemacht haben dieses Jahr erleben zu dürfen und die damit einhergehenden Erfahrungen mit anderen teilen zu können. Besonderen Dank gilt meinem Paten des deutschen Bundestages Dr. Klaus-Peter Schulze, der Vertrauen in mich gesetzt hat und mir erst das Austauschjahr ermöglicht hat.